Die Geschichte der Hainstrasse in Biedenkopf

Die Entstehung der Hainstraße fällt in das 14. Jahrhundert. Als die Bewohner der vor den Toren der Stadt liegenden Dörfer Gonzenhausen und Druckershausen ihre Siedlungen verlassen und in die nahe Stadt ziehen, siedeln sie sich in der Vorstadt, das ist der Bereich der Hainstraße "innerm Haa", am damals neuen, dem jetzigen Marktplatz und in Richtung auf das Hospital zu an.

Die Männergesellschaft "Hainstraße" dürfte im Jahr 1872 gegründet worden sein, nachdem ab dem Jahr 1839 der Grenzgang nicht mehr auf behördliche Anordnung durchgeführt, sondern als Fest gefeiert wurde und die Bürger und Burschen in zwei Abteilungen im Zug marschierten. Im Jahr 1864 ist aus der überlieferten Zugordnung zu ersehen, dass die Bürger nach Straßen gegliedert waren. Hier finden auch der Mühlweg und die Hainstraße Erwähnung. Aus dem Jahr 1872 stammt die Fahne der Männergesellschaft gestiftet von den Bewohnern der "Hain- und Mühlwegstraße", die als eine der ältesten Fahnen des Grenzgangs auch heute noch von den jüngsten verheirateten Bürgern an jedem Grenzgang – zuletzt 1998 – bei "Wind und Wetter über Stock und Stein über die Grenze" getragen wird.

Die Bebauung der Hainstraße reichte damals bis zum Abzweig des Obermühlsweges. Wichtige Gebäude in der Hainstraße waren Stadtschule und Kgl. Realschule. Heute befindet sich an der Stelle der abgerissenen Stadtschule das neue Biedenkopfer Rathaus, in das auch das ehemaligen Gymnasium integriert ist.

Weitere erwähnenswerte Häuser waren das Landratsamt (heute Haus Gercke) und das Amtsgericht (Haus Unkel). Im Mühlweg befanden sich u.a. das Spritzenhaus der Feuerwehr und das Gefängnis (heute "Plittsches Gelände").

Für das Grenzgangsjahr 1886 sind die Namen der beiden Führer, Emil Vomhof und Philipp Dreher überliefert. Rechner war Carl Schmidt III. Die Fahne trugen Wilhelm Leydecker, August Cyriax und Carl Schmidt.

Da für den Grenzgang 1894 drei Führer gewählt wurden, Georg L. Gilbert, Karl Leydecker und Martin Wehn, kann man davon ausgehen, dass die Zahl der Bürger der Hainstraße zugenommen hatte. Kassierer war wiederum Carl Schmidt, Fahnenträger waren K. Hosch, W. Ruhl und A. Thome.

In der Zeit vor 1894 zog das Amtsgericht in das noch heute genutzte Gebäude in der hinteren Hainstraße Nr. 72 um, wurden das heute zur Stadtschule gehörende Staatliche Forstamt und das Landratsamt, heute Kerntrakt des DRK-Krankenhauses, erbaut.

Eine weitere private Bebauung der Hainstraße in Richtung Ludwigshütte war die Folge.

Aus der Gesellschaftskasse wurde 1900 ein Betrag von 50 Mark (≈ 7% der Einnahmen) für die Wetterfahne auf dem Altenberg gespendet. Seither ist es gute Tradition der Männergesellschaft, nach dem Grenzgang Gelder für gemeinnützige oder soziale Zwecke zu spenden. So wurden z. B. 1900 für das Ehrenmal auf dem Marktplatz und für den Altenbergturm gespendet, 1907 für den Sackpfeifenturm und das neu gegründete Heimatmuseum. Da der Grenzgang 1914 wegen des Kriegsausbruchs ausfiel, wurde die gesamte Kasse dem Roten Kreuz übergeben. In neuerer Zeit bedachte die Gesellschaft Biedenkopfer Kindergärten und in Zusammenarbeit mit dem ev. Pfarramt sozial Bedürftige. Ein namhafter Betrag konnte 1998 für die Renovierung und Erhaltung der Hospitalkirche zur Verfügung gestellt werden.

Im Grenzgangsjahr 1900 ist mit Wilhelm Ruhl auch erstmals der Name des Reiters überliefert. Führer waren August Cyriax, August Philipp Plitt und Heinrich Hampel, Rechner und Schriftführer Georg Weigel und Fahnenträger Carl Gilbert, Carl Bastert und Carl Cyriax.

Versammlungslokale waren in der Hainstraße 29 der Magnus’sche Saal, (später u.a. Louis Duchmann, R. Powel und Georg Härtling; heute Freie ev. Gemeinde) der Saal im Hotel Balbach, Hainstr. 1 (im hinteren Teil Anfänge der Brauerei Balbach, spätere Pächter u.a. Josef Fischer und Heinz Hamata, heute Restaurant "Reich der Mitte"), und die Gasthäuser Schmidt (später Rotgerber, heute abgerissen) und "Krone", Hainstr. 5, (früher Inh. Wilhelm Seipp und Julius Kreutzer, später u.a. Georg Härtling und Peter Fischer, heute "Atelier 2"), außerdem das Gasthaus Gercke, Hainstr. 65 und Gerhard Wwe. Haus Nr. 56 (heute beide privat genutzt).
Die meisten dieser Lokale waren auch in der Folgezeit Versammlungslokale der Gesellschaft. In neuerer Zeit tagte man in der "Esse" und im "Waldhotel Berggarten" jeweils beim Wirt Heinz Egon Joch. Ein Liter Bier kostete übrigens um 1900 die sagenhafte Summe von 20 – 30 Pfennig. 

"Männergesellschaft der Hain-, Mühl- und Wiesenwegstraße" war die Bezeichnung der MG im Jahre 1907. Führer waren August Cyriax, Julius Hosch und Carl Pfeil jr. ("Suppes"). Das Amt des Schriftführers und Rechners übte Carl Schmidt aus. Fahnenträger waren Georg Wehrmann, Anton Schwarz und Ernst Unverzagt. Als Ersatzmann war Richard Kramer vorgesehen.

In den Versammlungen kam erstmals der Gedanke auf, einen eigenen "kleinen Platz im Dappesboden für die Abhaltung von kleinen Vergnügungen" anzulegen. Zur Ausführung sind die 1914 erstellten Pläne für einen terrassenförmigen Aufbau des Platzes erst im Jahre 1928 gekommen. Die Liebe zu diesem Platz bewog dann die Bürger im Jahre 1970, den Dappesboden völlig neu zu errichten, nachdem ihm ein Unwetter schwerste Schäden zugefügt hatte und nachdem man die eher ungeliebte "Latteboah" an der Einmündung des Roten Weges in den Altenberg, die zwischenzeitlich als Waldplatz der Gesellschaft gedient hatte, wieder aufgeben wollte. In nur vier Monaten gestalteten die Bürger unter der Leitung des 1. Führers Dr. Kurt Lettermann, des Planers Robert Bergmann und eines Bauausschusses den Platz am Dappesboden völlig neu. Seither dient die Anlage, die nach und nach baulich erweitert und weiter optimiert wurde, der MG Hainstraße wieder als Waldfestplatz. 

Der wiederum neue Name "Männergesellschaft der Hainstraße, des Mühlwegs, Wiesenwegs, der Lahnstraße (Schulstraße) und der Umkehr (Umdraht)" im Jahre 1914 weist auf die weitere bauliche Erschließung unseres Stadtgebietes hin. Für den Grenzgang, der auf Grund des Kriegsausbruches nicht stattfand, waren schon alle Vorbereitungen getroffen worden. Führer der Gesellschaft waren der Gastwirt Carl Schmidt, Karl Meier und Reinhard Weigel, während das Schriftführer- und Rechneramt von Otto Schmidt wahrgenommen wurde. Als Reiter hatte sich Gustav Unkel zur Verfügung gestellt. Die Fahne sollte von den Bürgern Huber, Reif, Johann Schmidt und Karl Schmidt  getragen werden.

Karl Meier wurde 1928 zum 1. Führer der Gesellschaft gewählt. Die anderen Führer waren weitere "Karls": Leydecker, Wagner und Gade. Das Amt des Schrift- und Rechnungsführers wurde erstmalig getrennt. Ernst Köppe war für die Kassengeschäfte und Karl Rössing für Schriftverkehr und  Protokolle zuständig. Fahnenträger waren Eugen Nedele, Fritz Seibel und Karl Hillenbrand. Als Reiter stellten sich Ernst Grebe, Friedrich August Hosch, Robert Breidenstein und Theodor Weigel zur Verfügung.

Eine besondere Ehre für die Gesellschaft war es, dass mit Carl Heinzerling, Burschenoberst von 1900 und als Chef der Buchdruckerei auch Herausgeber des "Hinterländer Anzeigers", einer ihrer Bürger zum Bürgerobersten gewählt wurde, nachdem er schon gewählt dieses Amt zum Grenzgang 1914 nicht ausüben konnte. Mit dem Bürger Otto Steber, dem Betreiber der beiden Kinos in Biedenkopf, konnte die MG Hainstraße im Jahr 1963 noch einmal den Bürgerobersten stellen.

Das Stadtgebiet war in den vergangenen 21 Jahren weiter gewachsen. Theisenbach, Kiesacker und Grünewaldstraße waren zum Einzugsgebiet der Männergesellschaft hinzugekommen.

Offizieller Name war jetzt "Männergesellschaft Hain- und Nebenstraßen". Die schriftlichen Unterlagen aus dem Grenzgangsjahr 1935 sind verloren gegangen. 1. Führer wurde wiederum Karl Meier, ihm standen die Führer Karl Gade, Karl Grebe, Karl Ruhl und Otto Zimmermann zur Seite. Als Fahnenträger sind auf einem Bild Willi Gilbert und Robert Plack zu erkennen. Der dritte Fahnenträger war vermutlich Karl Jäger. Reiter der Gesellschaft war Otto Steber. Das Komitee schuf 1935 nun doch den Posten des Männerhauptmanns, nachdem die vereinigten Männerführer dies schon 1928 beantragt hatten. Erster Männerhauptmann war der Hainsträßer Bürger Karl Leydecker.

Auch in der Zukunft kamen Männerhauptmann und Adjutant häufig aus der MG Hainstraße. 1950 war es Friedrich August Hosch, der "laange Hosch", mit Adjutant Waldemar Kramm, 1956 Wilhelm Wehn, 1963 Ernst Cyriax mit Adjutant Karl-Heinz Kraft, 1977 Karl-Heinz Schneider, und 1991 Kurt Kunkel mit Adjutant Herbert Bodenbender.

In den Versammlungen vor dem Grenzgang 1950 – seitdem nennt sich unsere Gesellschaft "Männergesellschaft Hainstraße" - zeigte sich, dass auch die neu hinzu gekommenen Bürger, Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Evakuierte aus dem westdeutschen Raum, durch Beiträge in den Versammlungen und Übernahme von Ehrenämtern rasch vom Grenzgangsfieber infiziert wurden. So wurden neben den grenzgangserfahrenen Bürgern Karl Ruhl (1. Führer), Otto Zimmermann, Wilhelm Wehn, Heini Maurer, Willi Bergmann und Otto Plack auch die "Neubürger" Otto Füssel und Karl Siebeneicher gewählt. Die Kasse wurde von Ewald Müller unter Mithilfe von Ernst Deuschle geführt. Für den Schriftverkehr und die Protokolle waren die Bürger Julius Hoffmann, Hans Hosch und Heinz Schaufuß zuständig. Die Familie Haydn stellte mit Albert sr. und Albert jr. gleich zwei Reiter. Fahnenträger waren Walter Bunde und Walter Debus. Als dritter Fahnenträger stellte sich Kurt Roth zur Verfügung.

Anläßlich des Grenzgangsfestes 1950 textete unser Hainsträßer Bürger Ludwig Weiß, dessen Mundart- und Heimatgedichte auch heute noch in den Versammlungen viel zur Unterhaltung beitragen, das Grenzgangslied "Aus Traum und Nacht" mit dem Refrain "Wenn der Grenzgang ausmarschiert...", das auch heute noch zum ständigen Repertoire aller Gesellschaften gehört und gern und häufig gesungen wird. Günter Seibel, ebenfalls Bürger der Hainstraße, sorgte für die Vertonung.

Im Grenzgangsjahr 1956 wurde erstmals die Frage nach einer Teilung der Männergesellschaft gestellt, da die Mitgliederzahl durch die Neubaugebiete im Westen der Stadt es erforderlich machte, sieben Führer zu wählen. Doch wurde dieser Plan erst im Jahre 1970 mit der Gründung der Männergesellschaft "Hasenlauf" umgesetzt. So führten dann der 1. Führer Friedrich Stoppel und seine Mitführer Fritz Seibel, Heinz Bielefeld, Heinz Schäfer, Willi Braun, Kurt Achenbach und Otto Friedrich die größte Gesellschaft über die Grenze. Rechner war wieder Ewald Müller, diesmal unterstützt von Willi Bergmann, als Schriftführer fungierte Franz von Fisenne. Die Bürger Hans Fischer, Peter Roemer und Eckhard Muth trugen die mittlerweile über achtzig Jahre alte Fahne über die Grenze. Der seitdem übliche Frühschoppen am Sonntag nach dem Grenzgang wurde erstmals durchgeführt.

Nachdem im Grenzgangsjahr 1963 der zunächst zum 1. Führer gewählte Ernst Cyriax zum Männerhauptmann erkoren worden war, wählte die Versammlung Dr. Kurt Lettermann zum 1. Führer. Ihm zur Seite standen die Führer Hans Lettmann, Peter Roemer, Siegfried Knappmann, Norbert Kreutz und Karl Zimmermann. Rechner wurde Karl-Heinz Klein, unterstützt von Walter Schellberg. Das Amt des Schriftführers wurde dem Bürger Hans Geidies übertragen, zum 2. Schriftführer Horst Klamberg gewählt. Mit Walter Debus und Ernst Meyer stellten sich zwei Reiter der Gesellschaft zur Verfügung. Als Fahnenträger agierten Gerhard Benner, Karl Ott und Arno Mauer. In das Jahr 1963 fällt auch die Erstellung einer meisterhaft gefertigten Truhe durch den Bürger Heini Bernhardt, die seither die Grenzgangsutensilien wie Fahne, alte Akten und dergleichen aufnimmt und die zwischen den Grenzgängen im Grenzgangszimmer des Hinterlandmuseums ihren Platz gefunden hat.

Dr. Kurt Lettermann wurde auch für den Grenzgang 1970 zum 1. Führer gewählt, Arno Mauer, Gustav Herrmann und Günter Bäumner waren neben dem Reiter Albert Haydn jr. die weiteren Säbelträger. Auch Karl-Heinz Klein und Hans Geidies wurden wieder zum Rechner bzw. Schriftführer gewählt, assistiert von den Bürgern Hajo Groh und Karl Zimmermann. Um die "Last" des Fahnentragens auf mehrere Schultern zu verteilen wurden erstmals neun Fahnenträger bestimmt: Werner Herrmann, Peter Lang und Heinz Liebetrau (1. Tag), Manfred Frank, Thomas Wilke und Richard Runzheimer (2. Tag) und Dieter Wolf, Wilfried Kreimeyer und Georg Grafe (3. Tag).

Nach dem Grenzgang beschloss der Vorstand, die Versammlungsprotokolle der Männer und Frauen, aufgelockert mit Gedichten, vor allem von Karl Matthes, und Zeichnungen Robert Bergmanns, Berichte der Rechner, Mitgliederlisten und ähnliches als Buch "Rund um den Grenzgang 1970" zu erstellen und somit den Bürgern eine bleibende Erinnerung zu schaffen.

Seither ist mit dem Buch "Rund um den Grenzgang 1998" das fünfte, jetzt mit Fotos versehene Werk dieser Reihe erschienen, in denen auch weiterhin die Beiträge der Bürger Matthes und Bergmann für Kurzweil sorgen. Ein von Bürger Heinz Weiß, Sohn des o.a. Heimatdichters Ludwig Weiß, in Berrekäpper Platt vorgetragenes Gedicht "Nachklänge zum Grenzgang", fand u.a. ebenso Eingang wie von Günter Bäumner gehaltenen Vorträge.

In Amt und Würden im Grenzgangsjahr 1977 wurden wiederum Dr. K. Lettermann zum 1. und Arno Mauer zum 2. Führer gewählt. Weitere Führer waren Georg Grafe, Hajo Groh und Dieter Wolf, Reiter Horst Künkel und Heinz Acker. Rechner war Hans Wingender, assistiert von Horst Lehmann, und Schriftführer Werner Stallmann zusammen mit Eckhardt Debus. Als Fahnenträger wurden bestimmt bzw. stellten sich zur Verfügung: Michael Geidies, Gustav Herrmann, Peter Kraft, Kurt Kunkel, Erich Lettermann, Heinz Lichtenthäler, Fritz Reinelt, Hajo Schmidt und Ernst Thielmann. Die Wahlen zu weiteren Ehrenämtern wie Fassmeister, Truhenwart, "Stääschlääfer", Sanitäter, Heftpflasterträger u.ä. sorgten in den Versammlungen auch in den Grenzgangsjahren davor und danach für viel Spaß, Kurzweil und Spenden.

Eine ganz neue Führerriege wurde zum Grenzgang 1984 erkoren. Kurt Kunkel wurde zum 1. Führer, Eckhardt Debus, Erich Lettermann, Helmut Kraft, Horst Lehmann und Heinz Lichtenthäler zu weiteren Führern gewählt. Als Reiter stellte sich noch einmal nach 1963 Walter Debus der Gesellschaft zur Verfügung. Gustav Herrmann und Jürgen Klein übernahmen die Rechner-, Werner Stallmann und Wolfgang Franke die Schriftführeraufgaben. Die Fahne wurde getragen von den Bürgern Robert Bergmann jun., Herbert Bodenbender, Eberhardt Deuschle, Andreas Härtling, Dieter Klein, Harald Künkel, Peter Lang, Jürgen Meyer und Roman Papasz.

1991 wurde Eckhardt Debus zum ersten, Jürgen Klein, Heinz Lichtenthäler, Volkhard Ferchland, Martin Jowanowitsch und Werner Herrmann zu weiteren Führern gewählt. Peter Plaum ritt der Gesellschaft voran. Rechneraufgaben übernahmen Franz-Josef Zimmermann, Dieter Benzin und Armin Genz, die schriflichen Belange Gustav Herrmann und Karl Stark. Die Bürger Wolfgang Bartoschik, Holger Jung und Peter Neumann trugen die Fahne am 1., Roland Schäfer, Jürgen Roemer und Wolfgang Balzer am 2. und Christian Waid, Herbert Müller und Helmut Kunkel am 3. Tag.

Auch 1998 erhielt Eckardt Debus wieder das Vertrauen der Gesellschaft, die ihn erneut zum 1. Führer kürte. Weitere Führer wurden Jörg Mauer, Herbert Bodenbender, Herbert Müller, Volker Schneider und Kurt Kunkel, Reiter Eckhard Hentschel. Die Bürger Daniel Cueille, Thomas Bauer und Detlef Meyer bildeten die Rechnerriege, während Gustav Herrmann erneut zum Schriftführer gewählt wurde Ihm assistierte Hans-Ulrich Kaufmann. Die Jungbürger Frank Benner, Jens Gemmecke, Frank Heidbrink, Jens Hilberseimer, Michael Kalb, Uwe Metzger, Marc Milchsack, Thomas Zaun und Volker Zimmermann durften die Fahne über die Grenze tragen und auf dem Frühstücksplatz über den zahlreichen Gästen schwenken, die die Männergesellschaft Hainstraße begrüßen konnte.

Zum Grenzgang 2005 trat der zweimalige 1. Führer Eckardt Debus nicht mehr zur Wahl in den Vorstand an. Sein Nachfolger als 1. Führer wurde Jörg Mauer, unterstützt von Volker Schneider, einem weiteren Mitglied der 98er Führerriege, und den weiteren Führern Marc Milchsack, Jens Gemmecke, Uwe Fischer und Werner Schwald. Als Reiter stellte sich Harald Künkel der Gesellschaft zur Verfügung. Rechner wurden Stefan Grix, Daniel Cueille, Günther Wasner und Albert Genrich, Schriftführer Gustav Herrmann und Eberhardt Deuschle. Die Ehre, die Fahne über die Grenze zu tragen, fiel den Bürgern Joachim Dreher, Stefan Gaschler, Martin Waid, Hans-Jürgen Heinrich, Uwe Kraft, Sven Kunkler, Timm Groß, Dieter Lichtenthäler und Detlef Meyer zu. Der ursprünglich vorgesehene Fahnenträger Lars Gemmecke war leider erkrankt. 

Im Komitee wird die MG Hainstraße derzeit durch die Bürger Willi Braun, Karl-Heinz Schneider, Helmut Kraft und Volkhard Ferchland vertreten. Günter Bäumner (†) wurde wegen seiner Verdienste um die historische Erforschung des Grenzgangs in der Generalversammlung 1997 zum Ehrenmitglied des Grenzgangsvereins gewählt.

Betrachtet man die Bevölkerungsstruktur um das Jahr 1900, so kann man feststellen, dass in der Hainstraße vor allem Handwerker, Gastwirte und Geschäftsleute wohnten und arbeiteten. Neben den schon oben angeführten Gaststätten existieren nur noch wenige Betriebe bis heute. So der von Helmut Kraft und Tochter Andrea betriebene Friseurladen in der Hainstraße 4 (um 1900 "Barbier Justus Kraft"). 

Das in der Bachgrundstraße befindliche Geschäft "Heinzerling – Augenoptik – Uhren – Schmuck" wurde ursprünglich von Uhrmacher Georg Wilhelm Heinzerling in der Hainstraße 6 betrieben.

Im Haus Nr. 47 ist noch die Buchhandlung Stephani ansässig. Haus Nr. 59 gehörte dem Schlossermeister Friedrich Banss, dem Begründer der heute weltweit tätigen Fabrik Banss, "Schlacht- und Fördertechnik", in der Industriestraße. Im Mühlweg 1½ betrieb Heinrich Hampel ein Kleidergeschäft. Heute arbeitet in dem renovierten und zurückversetzten Bau ein Hörgeräteakustiker. Im Mühlweg 16, heute Sitz der Stadtwerke Biedenkopf, befand sich die Wollspinnerei von Theodor Weigel. Neben den schon erwähnten öffentlichen Gebäuden ist noch die Gewerbeschule in der Schulstraße zu nennen.

Neben dem DRK Krankenhaus und den zahlreichen Arztpraxen sowie dem Rathaus sind heute in der Hainstraße bzw. den zu ihr gehörenden Nebenstraßen alle Schulen Biedenkopfs zu finden. An größeren Betrieben sind die Strickerei "Breidhof GmbH", die Holzhandlung und Zimmerei Cyriax und die Bäckerei Schäfer zu erwähnen.

Um 1900 und später wohnten Mitglieder der Gesellschaft selbstverständlich in der Hain- und ihren Nebenstraßen. Heute sind die Mitglieder der Männergesellschaft Hainstraße zwar meist im weiteren Umfeld der Hainstraße wohnhaft. Über die Mitgliedschaft entscheiden heutzutage allerdings mehr soziale Beziehungen, wie Freundschaften, Bekanntschaften oder die gemeinsame Zugehörigkeit zu Vereinen und Klubs. Viele der Mitglieder leben auch in ganz Deutschland verstreut oder gar in Übersee. Sie besuchen ihre alte Heimatstadt nicht nur zu den Grenzgängen, sondern kommen auch hin und wieder zu den regelmäßigen Veranstaltungen der Gesellschaft wie zu dem seit den 70-er Jahren üblichen Sternmarsch zum Dappesboden an Himmelfahrt, zur Jahresversammlung im November und vor allem zu dem seit 1984 regelmäßig stattfindenden jährlichen Kartoffelbraten.


Gustav Herrmann +, ehemaliger Schriftführer der Männergesellschaft Hainstraße.


Literatur:

1. BÄUMNER, Günter: "Biedenkopf und seine Stadtteile, Bilder erzählen aus vergangenen Tagen" Geiger Verlag, Horb am Neckar, 1988

2. BÄUMNER, Günter: "Grenzgang in Biedenkopf" Verlag Max Stephani Biedenkopf, 1986

3. – 8. MÄNNERGESELLSCHAFT HAINSTRASS: "Rund um den Grenzgang", 1970, 1977, 1984, 1991 und 1998 und 2005 im Selbstverlag der Gesellschaft

9. MAGISTRAT DER STADT BIEDENKOPF, Hrsg.: "Stadtführer Biedenkopf", 1995